PACH - METHODE - 2/2026

11.01.26 18:30:00 - Kommentar(e) - Von Andrea

Warum Sitzen keine Ruhepause ist – und was dein Gehirn dabei wirklich leistet

Sitzen gilt im Alltag als Inbegriff von Ruhe.

Wir setzen uns, um auszuruhen, um uns zu konzentrieren, um etwas „ohne Bewegung“ zu tun. Neurowissenschaftlich betrachtet ist Sitzen jedoch alles andere als ein passiver Zustand.
Es ist eine der komplexesten Koordinationsleistungen unseres Nervensystems – leise, unscheinbar und permanent aktiv.


An der Orgel wird diese Tatsache unmissverständlich sichtbar.

Der Organist sitzt scheinbar ruhig vor dem Instrument. Doch diese Ruhe ist trügerisch. Unter der Oberfläche arbeitet ein fein abgestimmtes System aus Gleichgewicht, Muskelspannung, Wahrnehmung und motorischer Vorbereitung. Ohne diese permanente Regulation wäre präzises Spiel unmöglich.

Das Gleichgewichtssystem – das vestibuläre System – liefert kontinuierlich Informationen über Lage, Bewegung und Orientierung des Körpers im Raum. Diese Informationen werden im Kleinhirn verarbeitet und mit motorischen Signalen abgeglichen. Selbst kleinste Gewichtsverlagerungen lösen Korrekturen aus, die wir meist nicht bewusst wahrnehmen. Sitzen bedeutet daher nicht Stillstand, sondern mikroskopische Bewegung.

Gerade an der Orgel ist diese Dynamik entscheidend. Hände und Füße müssen unabhängig voneinander agieren, häufig in unterschiedlichen rhythmischen Ebenen. Das gelingt nur, wenn die Körpermitte beweglich bleibt. Wer versucht, „stabil zu sitzen“, blockiert genau jene Prozesse, die Koordination ermöglichen.

Neurowissenschaftlich lässt sich dieses Phänomen klar erklären: Fixierung erhöht die neuronale Belastung. Das Gehirn muss mehr kompensieren, mehr korrigieren, mehr kontrollieren. Beweglichkeit hingegen entlastet. Sie erlaubt automatische Regulation und schafft Freiraum für Wahrnehmung, Klanggestaltung und Ausdruck.

Dieses Prinzip reicht weit über die Musik hinaus. Auch im Alltag sitzen wir oft mit innerer Spannung: im Büro, beim Lesen, beim Lernen. Der Körper wird fixiert, das Nervensystem arbeitet gegen diese Fixierung an. Müdigkeit, Unruhe und Konzentrationsprobleme sind häufig die Folge.

Die Orgel zeigt einen anderen Weg. Sie zwingt dazu, Sitzen als aktive Bereitschaft zu begreifen. Präsenz entsteht nicht durch Halten, sondern durch lebendige Balance.


In der PACH-Methode ist genau das ein zentraler Punkt.

Präsenz beginnt in der Körpermitte.
Achtsamkeit bedeutet, diese feinen Regulationsprozesse wahrzunehmen.
Co-Koordination hält mehrere Ebenen gleichzeitig offen.
Harmonie entsteht dort, wo das Nervensystem ökonomisch arbeiten darf.


Vielleicht lohnt es sich, Sitzen neu zu betrachten ?
Nicht als Pause von Bewegung.
Sondern als Bewegung auf leiser Ebene – mit großer Wirkung.

https://de.wikipedia.org/wiki/Andrea_Pach

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