
Warum Zeit kein Denkproblem ist, sondern eine Körpererfahrung
Zeit wird gemessen, geplant, kontrolliert.
Wir zählen Sekunden, strukturieren Minuten, füllen Kalender.
Und doch erleben wir Zeit höchst unterschiedlich.
Sie kann rasen oder stillstehen, drücken oder tragen.
Neurowissenschaftlich ist klar:
Zeitgefühl entsteht nicht im Kopf allein.

An der Orgel wird Zeit körperlich erfahrbar.
Der Klang entfaltet sich verzögert, Nachhall verlängert den Moment, Pausen bekommen Gewicht.
Der Organist kann Zeit nicht antreiben – er muss sie tragen.
Dieses Erleben spiegelt die Arbeitsweise des Gehirns. Zeitwahrnehmung entsteht aus dem Zusammenspiel von Kleinhirn, Basalganglien und motorischen Netzwerken. Rhythmus wird nicht gedacht, sondern verkörpert. Ein präsenter Körper stabilisiert das innere Zeitmaß.
Wenn der Körper unter Spannung steht, gerät auch das Zeitgefühl aus dem Gleichgewicht. Alles wirkt gehetzt oder stockend.
Wird der Körper reguliert, findet auch die Zeit zu einem natürlichen Fluss zurück.
Die Orgel macht diesen Zusammenhang hörbar. Wer Zeit „erzwingen“ will, verliert sie. Wer sie trägt, gewinnt Ruhe und Übersicht.
Auch im Alltag erleben wir diesen Unterschied.
Unter Druck verengt sich Zeit.
In Präsenz weitet sie sich.
Nicht, weil die Uhr anders läuft – sondern weil der Körper anders reguliert ist.

Die PACH-Methode beschreibt diesen Prozess präzise.
Präsenz verankert Zeit im Körper.
Achtsamkeit verfeinert das innere Zeitgefühl.
Co-Koordination synchronisiert innere Abläufe.
Harmonie entsteht, wenn Zeit nicht kontrolliert, sondern getragen wird.
Vielleicht müssen wir Zeit nicht besser organisieren.
Vielleicht müssen wir sie besser verkörpern.

